2019 Denn sie wissen nicht, was sie wollen!

Ich versteh die Welt nicht mehr. Wieso haben uns die Menschen aus Asien in den Achtziger-Jahren als Helfer in ihr Land geholt, wenn sie uns jetzt immer mehr an den Pranger stellen. Von wegen, wir würden nie genug bekommen - ich glaub, da haben die Zweibeiner wohl eher ihr Spiegelbild angeschaut. 

Und natürlich sind wir anders, als die einheimischen Marienkäfer. Wir kommen aus Gebieten, die nicht so behütet sind und daher musste sich unser Organismus daran gewöhnen, sich möglichst schnell zu entwickeln. Deshalb dauert bei unserem Nachwuchs die Kinderzeit nur drei Wochen, bei euren Einheimischen sind es 40 bis 60 Tage. Und da können wir durchaus mehrfach Familien gründen. Was die Nahrung anbetrifft, gilt das gleiche. Wer schnell heran wachsen muss, dessen Körper braucht auch viel mehr Nahrung. 

Daher fressen wir durchaus auch mal Obst, wenn nicht genug tierische Nahrung vorhanden ist. Aber am liebsten fressen die Kleinen nunmal Proteine. Unser Nachwuchs ist hart im Nehmen, notfalls auf Kosten ihrer eigenen Geschwister. Denn mal ehrlich, was bringt es, wenn alle verhungern müssten und keiner durch käme. Da ist es doch besser seinen Bruder oder seine Schwester zu fressen und für ihn oder sie sich zu einem Käfer entwickeln zu können.

 

Aber allem Anschein nach, sind die Menschen nicht besonders intelligent. Wer holt sich denn einen Helfer in sein Land ohne ihn genauesten durchzuchecken. Schließlich gibt es überall unterschiedliche Lebensbedingungen. Wieso sonst hätten sich in den verschiedenen Ländern wohl die Arten im Laufe der Zeit so unterschiedlich entwickeln müssen? Und klar anpassungsfähig sind so manche Einwanderer durchaus - das gehört eben zur Grundausstattung eines Überlebenskünstlers.

Von dem mal abgesehen, war der Zwei-Punkt ursprünglich ja auch in einer anderen Gegend zuhause.

Und unsere Larven sind nicht die einzigen, die die Kinder von anderen Marienkäferstämmen fressen. Der Zwei- und Siebenpunkt macht das auch. Allerdings wurden mit unserer Einführung auch einige unserer Parasiten mit genommen. 

Wir haben gegen diese eine Art Impfstoff entwickelt - kein Wunder, wir leben ja mit ihnen schon seit Tausenden von Jahren zusammen, da hat der Körper schon verschiedene Möglichkeiten entwickelt, um sich dagegen zu schützen.

Wenn die Zweipunkt-Larve unsere Kinder frisst, wird sie oftmals mit diesem Parasiten infiziert, kann sich aber dagegen nicht gegen diesen schützen - dagegen hat der Siebenpunkt ein besseres Abwehrsystem.

 

Und von wegen einiger Bericht von den Menschen, die besagen: den Asiaten könne nichts uns aufhalten!

Was viele nicht wissen, dass wir auch Fressfeinde haben. Diese überfallen unsere Larven und beginnen ihre Entwicklung erst, wenn diese sich im Puppenstadium befinden. Von daher haben wir mit dem Stamm dieser Buckelfliegen kein besonders gutes Verhältnis. Und auch mit den Brackwespen stehen wir auf Kriegsfuß

Aber wenn wir erst einmal ein ausgewachsener Käfer geworden sind, können wir uns gut verteidigen. Sofern wir direkt angegriffen werden - wie das die Ameisen tun, wenn wir ihre Honigtau-Weidetiere, die Blattläuse, fressen. Denn zu unserer Verteidigung produzieren wir eine ätzende Substanz. Sie funktioniert im Kampf gegen Ameisen sehr gut. Nur eben nicht bei all unseren Fressfeinden: einige Spinnen- und Raupenfliegenarten. Sie wissen genau wie sie uns überlisten können. Von den Großkäferarten mal ganz abgesehen, für die wir nur ein kleiner Snack sind.

 

Zudem sind wir Gewohnheitstiere. Wir sind darauf spezialisiert in Felsspalten zu überwintern. Aber diese Art von Winterquartieren sind hier in Deutschland recht selten anzutreffen. Dafür gibt es allerhand Örtlichkeiten, die einer Felsspalte ähnlich sehen. Denn eine solche Spalte erkennen wir daran, dass ihre hellere Grundfärbung aus der Umgebung markant in unserem Gehirn aufblinkt. Nur dass dummerweise meist hier keine Spalte dahinter steckt, sondern Fensterrahmen und ähnliches Häuserzeug.

Vor allem, wenn die kalte Jahreszeit näher rückt, sind wir sehr kollegial eingestellt. Wenn wir glauben einen Überwinterungsort gefunden zu haben, rufen wir unsere Artgenossen mit unsrem ureigenen Spezialparfum. Tja, und so können durchaus einige Hundert oder Tausend einen solchen Platz erstürmen.

 

Heiko Gutfresser – Harlekin-Marienkäfer

(asiatischer Marienkäfer)